Herr Dr. Hans Radischat, geboren am 20 Dezember 1912 in Hamburg, von dem die Angaben in dieser Chronik ganz wesentlich stammen, wurde 1939 nach bestandenem Assessorexamen in die damals nur noch aus den Herren Dr. Schlüter und Dr. Heynen bestehende Sozietät aufgenommen. Die Zusage, ihn nach abgelegtem Examen als Sozius aufzunehmen, war Herrn Dr. Radischat schon im Jahre 1937 nach Absolvierung seiner Anwaltsstation gemacht worden. Neben den guten Leistungen und seinem liebenswürdigen Wesen dürfte dabei auch die Tatsache eine gewisse Rolle gespielt haben - so meinte er jedenfalls später -, dass er seine Verwaltungsstation als Referendar in der Konsularabteilung der Senatskanzlei absolviert hatte. Von dort war er an die Kanzlei empfohlen worden. Die Herren Sozien dürften sich von der Verbindung mit Herrn Dr. Radischat Kontakte zu diversen Konsulaten versprochen haben. Herr Dr. Radischat, der seit der Referendarzeit mit dem japanischen Konsul befreundet war, konnte solche Kontakte in der Folge auch tatsächlich intensivieren und für die Kanzlei nutzen. Er war bis ins hohe Alter hinein vielfältig international tätig, wobei insbesondere die Betreuung von japanischen Firmen hervorzuheben ist. Seine Reisetätigkeit legte davon beredtes Zeugnis ab.


Im Mai 1940 wurde Herr Dr. Radischat zum Kriegsdienst in die Wehrmacht und zwar zur Artillerie eingezogen. Nach Ableistung des Grundwehrdienstes wurde er als Artillerist in Belgien und Frankreich eingesetzt.


Im Februar 1941 wurde Herr Dr. Radischat uk (unabkömmlich) gestellt und zu Dienst im Reichswirtschaftsministerium einberufen.Von dort wurde er abgeordnet zur Regierung des Generalgouvernements, Hauptabteilung Wirtschaft. Durch seine Tätigkeit im Generalgouvernement erwarb er umfangreiche wirtschaftliche Kenntnisse. Im Jahre 1944 wurde Herr Dr. Radischat zum Regierungsrat auf Lebenszeit ernannt.


Bei Kriegsende gelang es Herrn Dr. Radischat, sowohl der russischen als auch der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Er kam Ende April 1945 über Oberschlesien, die Tschechoslowakei und Thüringen auf abenteuerlichen Wegen zurück nach Hamburg und fand hier, weil seine Wohnung ausgebombt war, im Hause seiner Schwiegereltern in Wellingsbüttel Aufnahme. Hier erlebte er den Einmarsch der englischen Besatzungstruppen am 4. Mai 1945.